Einer der bekanntesten und renommiertesten Autoexperten hierzulande, Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer, attestiert Mercedes-Benz einen markanten Strategiewechsel – weg von der einseitigen Luxus-Schiene, hin zu einer breiteren Aufstellung mit günstigeren Einstiegsmodellen und einer pragmatischeren Elektro-Strategie. 2025 sei für ihn ein Jahr „zum Abhaken“, die Zahlen hätten schonungslos offengelegt, dass die bisherige Devise „Marge vor Menge“ in der aktuellen Marktlage an ihre Grenzen gestoßen ist.
Abkehr von der Luxusstrategie
Wie unter anderem „Der Aktionär“ berichtet, spricht Dudenhöffer von einer „völlig neuen Ausrichtung“ beim Stern. Besonders deutlich werde das an der Entscheidung, die A‑Klasse weiterzuführen und in Ungarn zu produzieren – ein klares Signal, dass Mercedes den unteren Einstieg in die Marke nicht länger vernachlässigen will. Damit rückt der Konzern wieder näher an das klassische Bild heran, mit dem er groß geworden ist: Premium, ja – aber nicht nur in der absoluten Oberklasse, sondern mit einer Palette, die vom Kompaktwagen bis zur S‑Klasse reicht.
Kurskorrektur bei Elektro-Strategie
Gleichzeitig diagnostiziert Dudenhöffer eine Kurskorrektur bei der Elektro-Strategie. Die neue Generation von Modellen soll als Verbrenner und als E‑Variante weitgehend gleich auftreten, optisch näher beieinander liegen und so Entwicklungs- wie Produktionskosten senken. Statt futuristischer Einzelwege setzt Mercedes künftig stärker auf flexible Plattformen und Mischkonzepte – ein Schritt, den der Experte als überfällige Reaktion auf die schleppende Nachfrage und den harten Preiskampf im E‑Segment bewertet.
Erfolg braucht Zeit
Die kurzfristigen Aussichten beurteilt Dudenhöffer allerdings nüchtern. Für 2026 rechnet der Autobauer selbst nur mit mageren Pkw-Margen von rund drei bis fünf Prozent – weit entfernt von den zweistelligen Traumrenditen, die man einst mit der Luxusoffensive anvisiert hatte. Erst mit der anlaufenden Modelloffensive, aufgefrischten Baureihen wie C‑ und S‑Klasse sowie neuen und überarbeiteten SUV mit modernen Antrieben sieht er die Chance, ab der zweiten Hälfte der Dekade wieder kräftiger Fahrt aufzunehmen.
Källenius habe Mercedes verwundbar gemacht
Kritik spart Dudenhöffer an CEO Ola Källenius nicht aus, auch wenn er ihm jetzt klaren Kurswechsel attestiert. Die frühere Strategie, das Geschäft fast ausschließlich über Hochpreis-Modelle und maximale Margen zu treiben, habe Mercedes verwundbar gemacht, insbesondere im Schlüsselmarkt China, wo starke heimische Wettbewerber mit aggressiven Preisen auftreten. Dass Källenius nun das Einstiegssegment stärkt, die Elektro-Pläne erdet und die Kostenbasis verschlanken will, wertet der Branchenkenner als Eingeständnis vergangener Fehleinschätzungen – aber auch als Chance, den Stern strategisch neu zu justieren.
Unterm Strich sieht Dudenhöffer Mercedes-Benz an einem Wendepunkt. Gelingt es, die neue Modellgeneration schnell auf die Straße zu bringen, die Preise wieder näher an die starke chinesische Konkurrenz zu rücken und gleichzeitig die Profitabilität zu stabilisieren, könnte aus der aktuellen Schwächephase der Startpunkt für ein Comeback werden. Scheitert diese „völlig neue Ausrichtung“, droht dem Traditionshersteller dagegen, im härtesten Wettbewerb seiner Geschichte weiter an Glanz zu verlieren.
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1 Kommentar
Egide aus belgien
19. Februar 2026 20:55 (vor 2 Stunden)
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